Personen:
Die Cuisinière (mit Bergschuhen, Cabrio und Restlicht), Der Connaisseur (nur als Sprachnachricht zugeschaltet, beleidigt).
Szene 1 – Spätsommer, Alpenkino.
Die Cuisinière stürmt auf die Bühne, im Hintergrund Formarinsee/Spullersee/Zürsersee/Butzensee als Diorama.
Die Cuisinière: Ich steuere meine Ankunft so, dass der Tag noch „zum Nutzen“ ist. Übersetzt: Ich renne und fahre sofort rauf, bis die Berge um Gnade bitten.
Der Connaisseur (aus dem Off): Und ich?
Die Cuisinière: Du bist eh da – als Untertitel.
Der Connaisseur: Frechheit. Ich bin das Hauptgericht.
Die Cuisinière: Du bist heute maximal die Beilage, weil: nicht mitgefahren.
Während sie sich weder vom Berg noch vom Wasser trennen kann, übt Der Connaisseur daheim seinen einzigen Ausdauersport: beleidigte Kommentare aus sicherer Entfernung, weil er nicht dabei war.
Der Connaisseur: Wir könnten unser “Es ist, wie es isst“ eigentlich umbauen auf “Sie isst solo, wie sie ist“.
Szene 2 – Fischerwirt am Fischteich in Zug, Küchenschluss im Nacken. Cabrio rollt ins Zuger Täli– so spät, dass der Küchenschluss bereits die Augen rollt. Sonnenuntergang inkl. sommerlichen Temperaturen applausfähig.
Die Cuisinière: Endlich schaffe ich es zum Fischerwirt. Jahrzehnte Lech – und erst jetzt dieses Platzerl.
Der Connaisseur: Jahrzehnte? Das ist schon wieder ein Zeitfehler.
Die Cuisinière: Zeitfehler ist dein Fernbleiben. Also: ein Glaserl Cremant zu Beginn, Sülzchen vom Räucherfisch auf Blattsalat-Beet – schlicht, und einfach gut, ohne viel Spompanadeln. Dann Gebirgsforellenfilet mit Petersilkartoffeln: heiß, knusprig, glasig – bis zum Schluss. Das muss man können.
Der Connaisseur: Petersilienkartoffeln??
Die Cuisinière: Kurz vor dem Hauptgang gegen Blattsalat getauscht. Die Reaktion klang „nicht happy“, aber der Salat kam.
Der Connaisseur: Die haben dich sicher gestalkt. „Aha, die ohne Connaisseur…“
Szene 3 – Dorf Metzgerei Hagen´s : Lech erklärt in einem Semmerl.
Die Cuisinière: In Wien ist’s Extrawurst-Semmerl mit Gurkerl. In Lech ist’s Leberkäs-Semmerl mit Gurkerl – und ein Seidel Obertrumer dazu. Das Semmerl kommt (natürlich) aus der Backstube, die seit 1931 weiß, wie man Brot auch ohne Drama macht.
Der Connaisseur: Endlich Kulturprogramm, das ich verstehe. Warum war ich nicht dabei?
Die Cuisinière: Weil du immer erst mitfährst, wenn’s „Haube“ schreit. Hier schreit nur der one and only Dorf-Metzger Hagen: „Nächster!“
Szene 4 – Kriegeralpe, Schnittlauchbrot und Panorama.
Nach Wanderung und Butzensee ruft die Kriegeralpe – und die Cuisinière gehorcht, weil sie bei Aussicht grundsätzlich wehrlos wird.
Die Cuisinière: Sauerteig, Butter, Bergschnittlauch, Radieserl, Blüten – dazu Grüner Veltliner vom Donabaum. Diese Art von Einfachheit ist nur dort glaubwürdig, wo das Panorama ohnehin die Hälfte der Rechnung übernimmt, deshalb hab´ ich es gleich noch einmal bestellt!
Der Connaisseur: Das Panorama?? Ich sag’s ja: Die Kulisse zahlt dich.
Die Cuisinière: Endlich jemand, der’s einsieht.
Szene 5 – Hotel Sandhof & Dorftisch: Sozialleben als Menüpunkt.
Seit Ende der 90er ist der Sandhof die Homebase der Cuisinière. Hausherr Martin Prodinger, den sie aus gemeinsamen Zeiten im Berliner Adlon kennt, hat den „Dorf-Tisch“ nach Corona als gesellschaftliches Wiederbelebungsprogramm etabliert.
Die Cuisinière: Das war 2025 das Geheimnis des Dorf-Tisch´: Hausgäste, Einheimische, Urlauber,an einer langen Tafel – „alle im gleichen Topf“, ohne Drama!
Der Connaisseur: Ohne mich gibt’s halt weniger Theater.
Die Cuisinière: Stimmt. Dafür aber Bao Buns mit geschmorten Iberico Schweinebauch, Sriracha Mayo, Erdnüsse, Koriander, … bestens zur Abwechslung! Dann Eierschwammerl-Cremesuppe mit gerösteten Eierschwammerln und Dill Emulsion: man badet im Wald.
Und dann…das Einser-Gericht: Käsespätzle mit Röstzwiebel und kleinen Blattsalat. Ich konnte nicht widerstehen. Ausserdem hab´ ich doch hier auch schon den einen oder anderen Kochlöffel geschwungen!
Der Connaisseur: … weil der Frühstückskoch ausgefallen ist?
Die Cuisinière: Sehr witzig!
Themenwechsel: Als „Drüberstreuer“ eröffnet der Sandhof-Chef vis-a-vis des traditionellen Hotels gerade Apartments, mit einer unglaublich sortierten Weinbar mit rund 500 Positionen und vereint das ganze unter Sandhof-Quartier. Ab Sommer 2026 dann den Wellnessbereich T.R.E.A.T mit drei Ruheräumen, drei Saunen und einem großen Infinity-Außenpool.
Der Connaisseur: Aha. Also Wellness. Vielleicht fahr´ ich das nächste Mal doch mit..
Szene 6 – Hus 8: Suppe, Blunzen und ein Strudel, der keiner sein will, davor das verhinderte Käsefondue
Im Hus Nr. 8 lautet der Service-Satz: „Komm einfach vorbei, wir finden schon ein Platzerl.“ Die Cuisinière kommt – natürlich im letzten Augenblick – und entdeckt den dramaturgischen Haken.
Die Cuisinière: Käsefondue gibt’s ab zwei Personen!
Der Connaisseur: Super, endlich offiziell zur „fehlenden Zutat“ erklärt!
Die Cuisinière: Dafür Walser Käsesuppe (ja, ich weiß), die Dich voll ersetzt hat, dann Walser Blunzengröstl mit warmen Speck-Krautsalat – hola die Waldfee. Und ein falscher Apfelstrudel – ohne Nüsse und Rosinen. Super, nur halt anders.
Der Connaisseur: Ohne Nüsse? Endlich einmal ein Dessert, das so alleine ist wie ich.
Zwischenspiel – Warum Spätsommer, aber erst Weihnachten?
Bühne wird plötzlich Advent: Lametta am Panorama, Glühwein im Weinglas.
Der Connaisseur: Ich habe die Veröffentlichung blockiert. Aus Prinzip: Keine Lech-Geschichte ohne mich.
Die Cuisinière: Falsch. Du hast sie verlegt. Zwischen deinen Notizen „Wien ist, wie es isst“ und dem Ordner „Spätsommer, irgendwann“.
Der Connaisseur: Redaktionelle Reifung! Eine Geschichte muss ziehen – wie ein Kässpätzle im Käse.
Die Cuisinière: In Wahrheit mussten wir warten, bis Lech wieder wintertauglich aussieht, damit niemand fragt, warum du nicht einmal im August Zeit hattest, Der Connaisseur zu sein.
Der Connaisseur: Außerdem: Wenn die Sandhof-Apartments im Dezember aufgemacht haben, liefern wir das Prosawerk gleich als Christkindl mit.
Die Cuisinière: Also gut: Spätsommer gegessen, erst zu Weihnachten serviert. Wie Lebkuchen – nur mit mehr Forelle.
Szene 7 und Finale – Freibad-Luxus und letztes Wort.
Die Cuisinière: Abreise mit ein paar Stunden „Luxus“-Freibad, Kitsch-Kulisse & direkter Lechbach Zugang inklusive.
Der Connaisseur: Wer in Lech ins Freibad und in den Lechbach geht, hat entweder Mut – oder keinen Connaisseur, der sie rechtzeitig stoppt.
Vorhang.
Abspann:
@Fischerwirt:
Sülzchen vom Räucherfisch auf Blattsalat Beet (15,50 Euro)
Filet von der Gebirgsforelle mit Petersilkartoffeln (26,90 Euro)
@Dorf Metzgerei:
Leberkäs-Semmerl mit Gurkerl (4,90 Euro) mit einem Seidel Obertrumer (4,50 Euro)
@Kriegeralpe:
Sauerteig, Butter, Bergschnittlauch, Radieserl und Blüten (7,90 Euro) Grüner Veltliner vom Donabaum 2023 (7,80 Euro)
@Hotel Sandhof:
Bao Buns mit geschmorten Iberico Schweinebauch, Sriracha Mayo, Erdnüsse, Koriander, Gurke und Frühlingszwiebel (15,50 Euro)
Eierschwammerlcreme-Suppe mit gerösteten Eierschwammerln und Dill Emulsion (9,80 Euro)
Käsespätzle mit Röstzwiebel und kleinen Blattsalat (22,50)
Grüner Veltliner Gobelsburg Steinsetz (7,50 / 44,00Euro)
@Hus 8:
Walser Käsesuppe (9,90 Euro)
Walser-Gröstl, Blutwurst und warmer Speck-Krautsalat (19,80 Euro – kleine Portion)
Apfelstrudel mit Schlagobers (9,50 Euro)